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Die kleinen Begleiter des Mars

Zwei Monde.
Eine Herkunft
voller Fragen.

Phobos eilt dicht über Mars dahin. Deimos zieht weiter draußen seine ruhigere Bahn. Beide sind klein, unregelmäßig geformt und voller Spuren ihrer Vergangenheit.

Wurden sie eingefangen oder entstanden sie aus Material eines gewaltigen Einschlags? Ihre Landschaften und Bahnen liefern Hinweise – die entscheidenden Proben stehen noch aus.

Ihre Geschichte entdecken ↓
Unregelmäßig geformter Phobos mit großem Krater Stickney, kleineren Kratern und Rillen, in einer farbverstärkten MRO-Aufnahme
Phobos · MRO/HiRISE · 23. März 2008 · PIA10368
Farbkombination mit Nahinfrarot · NASA/JPL-Caltech/University of Arizona
≈ 22 kmPHOBOS · KUGELÄQUIVALENTER DURCHMESSER
≈ 12 kmDEIMOS · KUGELÄQUIVALENTER DURCHMESSER
≈ 7,65 StundenPHOBOS · EIN UMLAUF UM MARS
≈ 30,30 StundenDEIMOS · EIN UMLAUF UM MARS

Kleine Körper. Große Unterschiede.

Phobos · der innere Mond

Ein Krater prägt das Gesicht.

Stickney ist etwa neun Kilometer breit und dominiert eine Seite von Phobos. Rillen, kleinere Krater und bewegtes Lockermaterial machen seine Oberfläche zu einem Archiv von Einschlägen und Veränderungen.

Die mittlere Bahn liegt rund 9.375 Kilometer von Mars’ Mittelpunkt entfernt – nicht von seiner Oberfläche. Phobos braucht für einen Umlauf weniger Zeit als Mars für eine Drehung.

Deimos · der äußere Mond

Eine weichere Landschaft.

Deimos erscheint vielerorts glatter. Eine Decke aus zerkleinertem Gestein, dem Regolith, überzieht die Oberfläche. Frische Krater und lokale Höhen zeigen dennoch Struktur.

Seine Bahn liegt ungefähr 23.457 Kilometer vom Marsmittelpunkt entfernt. Er umrundet Mars langsamer, als sich der Planet dreht. Beide Monde sind gebunden rotierend und wenden Mars ungefähr dieselbe Seite zu.

Zwei HiRISE-Ansichten desselben Mondes Deimos, mit glatten Gebieten und frischen Kratern; eingeblendeter Maßstabsbalken zwei Kilometer
Deimos in zwei Ansichten · MRO/HiRISE · 21. Februar 2009 · PIA11826
Farbverstärkt; keine Darstellung beider Marsmonde · NASA/JPL/University of Arizona

Die angegebenen Durchmesser gehören zu Kugeln mit vergleichbarem Volumen. Die wirklichen Monde sind keine Kugeln. Eine einzelne Aufnahme zeigt ihre scheinbare Form zudem abhängig von Blickrichtung und Beleuchtung.

Woher kamen die Marsmonde?

Ein eingefangener Besucher?

Ihre dunklen Oberflächen erinnern an bestimmte Asteroiden. Ein Einfang ist deshalb eine untersuchte Möglichkeit. Eine ähnliche Farbe beweist jedoch keine gleiche Herkunft: Oberflächen verändern sich durch Strahlung, Einschläge und die Verarbeitung des Materials.

Auch die Bahnen müssen zu einer Erklärung passen. Ein zunächst vorbeifliegender Körper bleibt nicht allein deshalb dauerhaft gebunden, weil er nahe am Planeten vorbeikommt. Ein Einfangmodell muss erklären, wie Energie und Bewegung ausgetauscht wurden und wie daraus die heutigen Bahnen hervorgingen.

Bausteine nach einem Einschlag?

Ein anderes Modell beginnt mit einem großen Zusammenstoß auf dem frühen Mars. Ausgeworfenes Material könnte eine Scheibe gebildet haben, aus der Monde entstanden. Solche Rechnungen müssen sowohl die Materialzusammensetzung als auch die kleinen heutigen Begleiter und ihre Bahnen erklären.

Die Entstehung ist noch nicht entschieden. Es genügt nicht, nur die Form der Monde oder nur ein Spektrum zu betrachten. Proben, innere Struktur und Bahnmodelle sollen gemeinsam zwischen Erklärungen unterscheiden helfen. Eine direkte Datierung ihrer Entstehung liegt uns bislang nicht vor.

Wie aus Material neue Körper wachsen →
Nicht nur lesen. Mitbewegen.

Wer überholt
hier eigentlich wen?

Zwei Kreisbahnen, ein drehender Mars und zwei Blickweisen auf dieselbe Bewegung.

Mars

PhobosDeimos

Bahnradien und Marsgröße mit gemeinsamer Längenskala. Mondmarkierungen vergrößert.

Phobos · Umläufe um Mars
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Deimos · Umläufe um Mars
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Mars · eigene Drehungen
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Aus dem All betrachtet laufen beide Monde in derselben Richtung wie Mars’ Rotation. Phobos bewegt sich schneller, Deimos langsamer als die eingezeichnete Mars-Markierung.

Eigene Kreisbahn-Näherung mit gerundeten Referenzen: Bahnradius Phobos 9.375 km, Deimos 23.457 km; Perioden 7,65 h und 30,30 h. Marsradius 3.389,5 km, siderische Rotation 24,62296224 h. φ = 360° × t/P; im mitrotierenden Bezugssystem wird Mars’ Drehwinkel abgezogen. Die Bahnen liegen hier in derselben Ebene; tatsächliche Neigungen, Exzentrizitäten, Präzession, Störungen und Gezeitendrift fehlen. Blick von der Nordseite, willkürliche Anfangspositionen, keine aktuellen Ephemeriden. Mars und Bahnen verwenden denselben Längenmaßstab; die farbigen Mondmarkierungen sind stark vergrößert und zeigen keine maßstäblichen Körpergrößen. Die Linie auf Mars ist eine gedachte Markierung, kein echter Nullmeridian. Keine Horizont-, Bedeckungs- oder Sichtbarkeitsberechnung für einen Ort auf Mars. Die Wiedergabe startet nur auf Wunsch, läuft beschleunigt und pausiert beim Tabwechsel. Alle Eingaben bleiben im aktuellen Tab.

Zwei Lichtpunkte werden Forschungsziele.

1877 · ASAPH HALL

Begleiter neben dem hellen Mars.

Hall entdeckt Deimos und kurz darauf Phobos. Die Namen stammen aus der griechischen Mythologie und werden mit Furcht und Schrecken verbunden.

1971 · MARINER 9

Aus Punkten werden Landschaften.

Die Marsmission liefert Nahaufnahmen der Monde. Krater, Form und Oberflächenstrukturen werden damit wesentlich besser untersuchbar.

MARS EXPRESS UND MRO

Viele Begegnungen ergänzen ein Bild.

Wiederholte Beobachtungen aus Marsumlaufbahnen untersuchen Form, Oberflächenmaterial und die Bewegung der Monde. Die hier gezeigten HiRISE-Bilder stammen von MRO. Spektren ergänzen die Bilder durch Hinweise auf die Zusammensetzung.

2026 · MMX STARTET

Der nächste Schritt ist unterwegs.

JAXAs Martian Moons eXploration ist am 20. Oktober 2026 nach japanischer Ortszeit gestartet. Die Mission soll die Marsmonde untersuchen und Material von Phobos zur Erde bringen. Der deutsch-französische Rover Idefix soll Phobos vorher vor Ort erkunden.

Vorhaben sind noch keine Ergebnisse

Was eine kleine Probe verändern könnte.

Laboruntersuchungen können Mineralien, chemische Zusammensetzung und Altersspuren viel genauer erfassen als Bilder allein. MMX soll so helfen, Einfang- und Einschlagsmodelle zu unterscheiden. Die Rückkehr von Phobosmaterial ist nach dem aktuellen Missionsplan für 2031 vorgesehen. Ankunft, Oberflächenerkundung und Probenrückkehr liegen noch in der Zukunft.

Auch eine Probe muss im Zusammenhang betrachtet werden: Die Entnahmestelle, spätere Einschläge und der Transport von Material zwischen Mars und seinen Monden beeinflussen, welche Geschichte das untersuchte Korn erzählt.

MMX bei der NASA →
Weitere Raumsonden und ihre Fragen →

Eine kleine Welt ist kein einfaches Rätsel.

Werden Phobos und Deimos für immer dort bleiben?

Ihre Bahnen verändern sich durch Wechselwirkungen mit Mars. Phobos bewegt sich langfristig nach innen und könnte in ferner Zukunft auseinanderbrechen oder auf Mars treffen. Das Labor berechnet diesen Vorgang nicht; eine exakte Jahreszahl wäre von Annahmen zur inneren Struktur und Entwicklung abhängig.

Warum wirkt die Richtung in der zweiten Ansicht anders?

Wir drehen das Koordinatensystem mit Mars mit. Die Winkelgeschwindigkeit von Mars wird von der des jeweiligen Mondes abgezogen. Phobos bleibt voraus, Deimos fällt relativ zum mitdrehenden Bezugssystem zurück. Seine wirkliche Umlaufbahn wird dadurch nicht rückläufig.

Kann man von Mars aus eine Sonnenfinsternis sehen?

Die Monde können vor der Sonnenscheibe vorbeiziehen. Ihre kleinen, unregelmäßigen Silhouetten sehen anders aus als unser Erdmond. Unser Bahn-Labor zeigt eine Draufsicht und berechnet keine solchen Transits oder Beobachtungstermine.

Sind das einfach zwei Asteroiden neben Mars?

Die Bezeichnung Mond beschreibt ihre heutige Bindung an Mars. Ihre Herkunft ist eine andere Frage und noch offen. Ähnlichkeit mit Asteroiden ist ein Hinweis, der mit Bahnen, Zusammensetzung und weiteren Messungen zusammenpassen muss.

Wie wir diese Geschichte überprüfen.

Quellenstand: 23. Oktober 2026. Die Bilder kombinieren sichtbare Wellenlängen mit Nahinfrarot und sind farbverstärkt. Entstehungsmodelle, beobachtete Eigenschaften und künftige Missionsziele werden getrennt. Das Labor veranschaulicht Bewegungen; es liefert keine aktuellen Positionen oder Vorhersagen.

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